Ein Abend im Dunkelrestaurant 2010

Dunkel, so war es in der Tat!!

Erlebnisbericht einer Teilnehmerin

Ein Essen mit Freunden im Restaurant, in einem Dunkelrestaurant, so war es angekündigt. Was das bedeutete, war mir erst nicht so bewusst, aber dann: Tiefe Dunkelheit, nix sehen, absolut nichts. Lediglich Geräusche von Menschen in einem Raum, dessen Größe und Form ich nur erahnen konnte, erspüren und irgendwie hören. Gemurmel, Gesprächsfetzen, Lachen am Nachbartisch, Klappern von Geschirr und leises Schnalzen von einem der Kellner, so musste sich das Personal wohl orientieren und bemerkbar machen, damit sie nicht zusammenstießen, denn sie sind alle Blinde, bis auf die Köche, vermutete ich zumindest.

Der Raum füllte sich, ich hatte keine Ahnung, wie viele Tische es gab. An unserem Tisch begannen wir zu raten, wie wir wohl am Tisch saßen, mit welcher Körperhaltung. Nur durch unsere Sinne, außer dem Sehen, nahmen wir ein Essen zu uns, dass wir vorwiegend ertasteten, erschmeckten oder riechend errieten, oder eben auch nicht, zumindest ich hatte keine Ahnung, was ich hatte, nur Maronen konnte ich erraten. Ich lehnte mich zurück, genoss die Entspannung der Augen, denn ich musste nicht mehr sehen. Meine Augen machten Pause und es tat mir gut, ich fühlte mich sehr wohl in der Dunkelheit. Meine anderen Sinne waren ganz wach, ich hatte Spaß an dieser Art, alles wahrzunehmen, was um mich herum geschah und vor allem an den Stimmen zu hören, was jemand sprach und in welcher Art. Ich konnte mich vollständig auf die Energie meines jeweiligen Gesprächspartners konzentrieren, ohne mich dabei anstrengen zu müssen. Ich hörte vieles und nahm zwischen den Worten wahr. Hier und da konnte ich Licht sehen, wenn ich die Augen öffnete, ohne dass ich eine Quelle dafür fand. Eine tolle Erfahrung. Am Ende des Abends im Dunkelrestaurant, gab es noch eine Show, eine weihnachtliche Geschichte. Wunderbar, weil man nichts anschauen musste, einfach nur hören, wie sich die Geschichte entwickelte, die ein hübsches Ende hatte, fast wie ein Hörspiel, aber tatsächlich gespielt wurde von Menschen, die im Raum umher huschten und im Vorbeigehen leichte Luftbewegungen auslösten. Es war toll.

Das Essen war nicht so meins, aber das war mir nicht wichtig. Mit allen Sinnen wahrnehmen, dass war die Erfahrung, die mich bereichert hat. Ich glaube übrigens, dass der Raum wie ein Winkel von 160° ausgerichtet war, aber das will eh nur der Kopf wissen !!